Starker Start von Pickel/Borkowski als Zweite
QINGDAO. Mit einem brillant getimten Nullstart, schlüssiger Strategie und eiskalter Taktik segelten der Kieler Marc Pickel und Ingo Borkowski aus Babelsberg am Freitag (15. August) zum Auftakt der olympischen Starbootregatta auf Platz zwei hinter die Schweden Fredrik Lööf und Anders Ekström. Dagegen fielen Steffi Rothweiler und Vivien Kussatz im 470er durch eine Frühstartdisqualifikation und dem folgenden achten Rang auf Gesamtplatz neun zurück. Die Spitzenreiterinnen heißen Elise Rechichi und Tessa Parkinson aus Australien.
Marc Pickel und Ingo Borkowski vor ihren US-Sparringspartnern Dane/Sperry (im Hintergrund) an der ersten Luvtonne.
Der siebte Regattatag begann trotz zunächst optimistischer Vorhersage mit einer nervenraubenden Windlotterie. Pünktlich zu den um eine Stunde vorgezogenen Starts schlief die Brise komplett ein. Nach vier Stunden Flaute schickte die Regattaleitung am späten Nachmittag alle wieder auf die Bahnen und zog bis zur Dämmerung noch ein paar wackelige Rennen durch. Zwischen Windstärke eins und vier erlebten die Stare auf der publikumswirksamen Bahn Alpha dicht unter Land alles. Und ein krasser Linksdreher teilte die Felder schon auf der Startkreuz in Top und Flop.
Souverän und durchdacht war das Erfolgskonzept von Pickel: „Wir wollten die Startkreuz ohnehin über die linke Seite fahren, weil dort weniger Gegenstrom herrschte. Und auf das Kentern der Tide vor dem Ziel waren wir auch eingestellt.“ Als Fünfter ging das Duo aufs letzte Teilstück und überholte noch drei Gegner. Ingo Borkowski, der 2000 in Sydney bei Jochen Schümann im Soling „Silber“ gewann, wollte dem Blitzstart aber keine große Bedeutung beimessen: „Der Weg zu unserem Ziel ist noch unendlich lang.“
Kurz vor Ende der Vermessungsfrist entschied der 36-Jährige Bootsbauer Pickel schweren Herzens, nicht das eigene, selbst entwickelte und gebaute Starboot einzusetzen, sondern ein „Folli“-Modell „von der Stange“. „Nach den letzten Erkenntnissen und der mittelfristigen Windvorhersage war das Vertrauen ins Altbewährte einfach größer“, erklärte Pickel, „weil es hier weniger auf den Bootsspeed als viel mehr auf das Beobachten der Windstriche ankommt.“ Und der Pickel-Bau sei vielleicht einen Tick schneller, erfordere aber mehr Konzentration beim Steuern, was von der Beobachtung der Konkurrenz und der gesamten Regattabahn ablenke.
Ihren 36. Geburtstag hatte sich Vivien Kussatz sicher anders vorgestellt. Nach einem Tag auf See mit endloser Warterei auf Wind war der Vorschoterin auch nicht zum Feiern zu Mute. Die Laune wäre sicher besser ausgefallen, wenn an der Luvtonne der ersten Tageswettfahrt nicht das Schild „GER – OCS“ gezeigt worden wäre. Das bedeutete nämlich einen Frühstart der deutschen Mannschaft, die disqualifiziert worden war und daraufhin das Rennen beendete. „Wir waren als Vierte an der Tonne und endlich mal vorne dabei“, ärgerten sich Rothweiler und Kussatz, „das können an der Startlinie nur Zentimeter gewesen sein.“
Als die wolkenverhangene Sonne sich schon dem Horizont näherte, schoss die Wettfahrtleitung sogar noch ein zweites 470er-Rennen an, obwohl die Klasse schon am längsten ununterbrochen auf dem Wasser gewartet hatte. Dabei reichte es für Rothweiler/Kussatz zu einem achten Platz. „Wir hoffen, dass es am Reservetag genug Wind hat, damit wir unsere beiden ausgefallenen Wettfahrten noch nachholen, und uns zumindest eine bessere Ausgangsposition für das Medaillenrennen verschaffen“, so die Steuerfrau abschließend.
Weitere Informationen unter www.sailing.org/Olympics.
Die zweite Luvtonne rundete das deutsche Starboot noch hinter den Briten und Pole, überholte sie aber noch vor dem Ziel.
Ergebnisse von den olympischen Segelwettbewerben
Erste Wettfahrt der Starboote:
1. Fredrik Lööf/Anders Ekström (Schweden)
2. Marc Pickel/Ingo Borkowski (Kiel/Babelsberg)
3. Afonso Domingos/Bernardo Plantier Santos (Portugal)
4. Hamish Pepper/Carl Williams (Neuseeland)
5. Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki (Polen)
6. Peter O’Leary/Stephen Milne (Irland)
7. Iain Percy/Andrew Simpson (Großbritannien)
8. John Dane III/Austin Sperry (USA)
Zwischenstand nach dem vierten Wettfahrttag der 470er-Frauen
1. Elise Rechichi/Tessa Parkinson (Australien, 2/2/4/1/(9)/4/2/5) 20 Punkte
2. Marcelin de Koning/Lobke Berkhout (Niederlande, 3/1/9/5/2/2/(10)/7) 29
3. Nike Kornecki/Vered Bouskila (Israel, 8/13/1/2/8/(19)/3/1) 36
4. Fernanda Oliveira/Isabel Swan (Brasilien, 11/(16)/5/10/7/6/6/2) 47
5. Sylvia Vogl/Carolina Flatscher (Österreich, 9/(DSQ)/13/7/1/7/1/13) 51
6. Giulia Conti/Giovanna Micol (Italien, 14/7/6/3/6/11/4/(19)) 51
7. Natalia via Dufresne/Laia Lluisa Tutzo (Spanien, 4/5/2/6/13/10/13/(17)) 53
8. Christina Bassadone/Saskia Clark (Großbritannien, (DSQ/8/3/4/15/13/8/3) 54
9. Steffi Rothweiler/Vivien Kussatz (München/Berlin, 7/6/11/9/5/12/(OCS)/8) 58

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